München· 7 Min. Lesezeit

Fachkräftemangel in München: Welche Qualifikationen Betriebe wirklich suchen

Fast jeder dritte bayerische Betrieb kann offene Stellen länger als zwei Monate nicht besetzen. Wo genau die Lücken klaffen — und was das für Ihre Weiterbildungsentscheidung bedeutet.

Fachkräftemangel ist ein Begriff, der so oft fällt, dass er nichts mehr aussagt. Interessant wird er erst, wenn man ihn aufschlüsselt: Wo genau fehlen Menschen, mit welcher Qualifikation, und in welche Richtung entwickelt sich das?

Für München und Bayern gibt es dazu belastbare Erhebungen. Sie zeigen ein Bild, das für Weiterbildungsentscheidungen erstaunlich konkret ist.

Die Größenordnung

Die Zahl der offenen Stellen in Bayern soll zwischen 2024 und 2029 um rund ein Drittel auf 390.000 steigen. Allein 2024 fehlten etwa 20.300 Fachkräfte mit beruflicher Ausbildung — bei 42.800 offenen Stellen für diese Gruppe.

In einer Befragung des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags gaben 30 Prozent aller bayerischen Betriebe an, offene Stellen länger als zwei Monate nicht besetzen zu können. 43 Prozent sehen den Arbeitskräftemangel als Bedrohung für ihre wirtschaftliche Entwicklung.

Wo die Lücken am größten sind

Die Verteilung ist ungleich. Besonders betroffen sind:

  • Bau — 49 Prozent der befragten Betriebe melden Besetzungsprobleme
  • Tourismus und Gastgewerbe — 40 Prozent
  • Verkauf — hier wird bis 2029 die größte einzelne Lücke erwartet, rund 3.500 fehlende Fachkräfte

Wo das stärkste Wachstum erwartet wird

Zwei Bereiche stechen bei den Prognosen bis 2029 heraus: IT und Informationsdienstleistungen sowie das Gesundheitswesen.

Das ist für Weiterbildungsentscheidungen die eigentlich nützliche Information. Ein Engpass allein sagt wenig — er kann auch von schlechten Arbeitsbedingungen kommen, die sich durch eine Qualifizierung nicht ändern. Ein Bereich mit erwartetem Beschäftigungswachstum dagegen zieht dauerhaft Menschen an.

Was den Münchner Fall besonders macht

München hat gleichzeitig eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten und einen der schärfsten Wettbewerbe um Stellen. Das ist kein Widerspruch: Die Stadt zieht Bewerber aus ganz Deutschland an, entsprechend voll sind die Verfahren für attraktive Positionen.

Der Unterschied entsteht deshalb selten über die Menge der Bewerbungen, sondern über das Profil. Wer neben der fachlichen Erfahrung eine Qualifikation mitbringt, die im Betrieb gerade fehlt, steht anders da als jemand mit reiner Berufserfahrung.

Wie Sie prüfen, ob sich das für Ihren Beruf lohnt

Der IHK-Arbeitsmarktradar erlaubt Auswertungen für über 70 Branchen und 1.300 Berufe bis auf die Ebene der Agenturbezirke. Sie können dort für Ihren eigenen Beruf nachsehen, wie sich Angebot und Nachfrage entwickeln.

Das lohnt sich vor dem Gespräch bei der Agentur: Wer belegen kann, dass sein Zielberuf gesucht wird, argumentiert bei der Frage der Arbeitsmarktnähe deutlich stärker.

Kurz gesagt

Der Mangel ist real, aber ungleich verteilt. Die belastbarsten Perspektiven liegen laut Prognose in IT-nahen Tätigkeiten und im Gesundheitswesen — beides Felder, in die eine geförderte Qualifizierung einen realistischen Einstieg eröffnet.

Quellen

Stand: 21. August 2026. Über die Förderung entscheidet die zuständige Stelle im Einzelfall; ein Rechtsanspruch besteht nicht. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.

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